Der Verein Patouch engagiert sich für die Prävention von Gewalt gegen Kinder und hatte bereits Präventionsinhalte entwickelt, die Familien und Fachpersonen unterstützen. Die Idee, daraus ein zugänglicheres Instrument zu machen, das sich einfacher weitergeben und im Alltag nutzen lässt, war bereits vorhanden. Es fehlte jedoch der passende Rahmen, um sie in ein digitales Angebot zu verwandeln. Der entscheidende Impuls kam bei einer von PRISM organisierten Veranstaltung zur digitalen Kreation. Während eines Beitrags der HES-SO Valais-Wallis erinnerten sich Laure Seixas-Maniglier und ihre Kolleginnen und Kollegen an diese Idee, die lange Zeit auf ihre Umsetzung gewartet hatte. Erstmals zeichnete sich ein möglicher Weg ab, um sie zu verwirklichen.
«Wir hatten diese Idee schon lange. Während dieser Begegnung hat es Klick gemacht. Wir sagten uns, dass dies genau die Art von Zusammenarbeit war, die wir brauchten.»
Wenige Tage später fanden die ersten Gespräche statt. Die HES-SO schlug vor, das Projekt in ein Austauschprogramm mit einer Universität in Helsinki zu integrieren. Innerhalb weniger Monate entwickelten finnische Studierende einen ersten Prototyp mit mehreren Minispielen. Diese erste Etappe bestätigte das Potenzial des Projekts und überzeugte die HES-SO, die Zusammenarbeit im Wallis im Rahmen einer Bachelorarbeit fortzusetzen. Damit erreichte das Projekt eine neue Dimension. Die Minispiele waren nicht mehr als eigenständiges Projekt gedacht, sondern als Ausgangspunkt für eine App, die verschiedene pädagogische Angebote des Vereins vereint.
Eine Idee, die mit jedem Austausch wächst
Jonathan, Student an der HES-SO, wählte das Projekt von Patouch aus mehreren Vorschlägen für Bachelorarbeiten aus. Was als Abschlussarbeit begann, entwickelte sich rasch zu einer echten Zusammenarbeit. Die Arbeitssitzungen wurden zu Brainstormings, bei denen die Ideen schnell vom Whiteboard auf den Bildschirm gelangten.
Je konkreter die App wurde, desto umfangreicher wurde das Projekt. Zu den Minispielen kamen Hörbücher, ein Bereich mit dem Titel «Ruhige Zeit», Präventionsvideos, eine Karte der Patouch-Zonen und Ressourcen für Eltern hinzu. Die App wurde sogar in vier Sprachen übersetzt.
«Zuerst dachten wir daran, einige Aktivitäten anzupassen. Als wir dann sahen, was alles möglich war, begannen wir uns vorzustellen, was wir rundherum noch entwickeln könnten. Das Projekt ist fast von selbst gewachsen.»
Mit dem Abschluss der Bachelorarbeit endete das Abenteuer nicht. Beeindruckt von der Qualität seiner Arbeit stellte der Verein Jonathan ein, damit er die Entwicklung weiterführen und die Wartung der App übernehmen konnte.
Eine App, die unterschiedliche Fachgebiete verbindet
Als Motion Designerin bei Patouch leitet Laure Seixas-Maniglier das Projekt der App und prägt zugleich einen grossen Teil ihrer kreativen Welt. Illustrationen, künstlerische Leitung, Animationen, Hörbücher und die Stimmen der Figuren tragen ihre Handschrift. An ihrer Seite passt das psychopädagogische Team die Inhalte an, während Jonathan die App entwickelt und ihre Benutzerfreundlichkeit weiter verbessert.
Laures Erfahrung in der Videospielindustrie erleichtert die Zusammenarbeit mit dem jungen Entwickler. Da sie es gewohnt ist, mit Entwicklerinnen und Entwicklern zu arbeiten, rechnete sie damit, nach Abschluss der Programmierung einen grossen Teil der Benutzeroberfläche überarbeiten zu müssen. Letztlich waren kaum Anpassungen notwendig. Eine Überraschung, die viel über die Qualität der Zusammenarbeit aussagt.
«Jonathan hat nicht nur entwickelt. Er schlug auch Verbesserungen vor, an die wir selbst nicht gedacht hätten. Ich war beeindruckt von der Qualität seiner Arbeit und von seinem Gespür für Design.»
Für die nächsten Projektschritte werden weitere Fachpersonen beigezogen, darunter Übersetzerinnen und Übersetzer sowie Sprecherinnen und Sprecher, um die Audioinhalte auf Deutsch und Englisch anzupassen.
Eine Zusammenarbeit, die neue Perspektiven eröffnet
Patouch denkt bereits über weitere Inhalte für die App nach, insbesondere zum Thema Mobbing in der Schule. Sollten diese Entwicklungen umgesetzt werden, würde sich der Verein sehr über eine erneute Zusammenarbeit mit der HES-SO Valais-Wallis freuen.
«Am meisten beeindruckt hat mich, wie reibungslos diese Zusammenarbeit verlief. Die Ideen konnten frei zirkulieren. Alle brachten ihr Fachwissen ein, und mit jedem neuen Schritt erhielt das Projekt eine Dimension, die wir allein nie hätten erreichen können.»
Die App ist heute das sichtbarste Ergebnis dieses Abenteuers. Laure erinnert sich jedoch vor allem an alles, was rundherum entstanden ist: Ideen, die sich weiterentwickeln, Fachbereiche, die miteinander in Dialog treten, und ein Vertrauen, das es ermöglicht, weiterzugehen, als es allein möglich gewesen wäre.
PRISM – wo Ideen auf die richtigen Menschen treffen
Die Geschichte von Patouch zeigt, wie stark eine Begegnung ein Projekt verändern kann. Auf der einen Seite steht eine Idee, die auf ihre Umsetzung wartet. Auf der anderen Seite stehen Kompetenzen, die ihr Gestalt verleihen können. Dazwischen: eine Veranstaltung von PRISM, bei der sich die richtigen Menschen begegnen und ein Projekt an Dynamik gewinnt.
Diese Geschichte ist kein Einzelfall. Mit seinen Veranstaltungen, Begleitangeboten und Vernetzungsmöglichkeiten bringt PRISM Unternehmerinnen und Unternehmer mit den Kompetenzen, Institutionen und Partnern zusammen, die sie für die Weiterentwicklung ihrer Projekte benötigen.
Diese Begegnungen verbinden Fachgebiete, die sich sonst vielleicht nie gekreuzt hätten. Daraus entstehen mitunter unerwartete und ambitionierte Projekte, die eng mit den Bedürfnissen und Erfahrungen aus der Praxis verbunden sind.
Die schönsten Abenteuer beginnen oft mit einer einfachen Begegnung.
Sie haben eine Idee, die Sie testen möchten, arbeiten an einem Projekt oder stehen vor einer neuen Herausforderung? Die Veranstaltungen von PRISM öffnen Türen, ermöglichen Begegnungen mit dem Ökosystem und helfen dabei, im richtigen Moment die passenden Menschen zu finden.