Wenn ein Dreh zu einer wirtschaftlichen
Im Studio13 in Sitten haben sich nicht nur Filmprofis versammelt, sondern ein ganzes Ökosystem. Unternehmer, Handwerker, Akteure aus der Tourismusbranche oder Institutionen – mehr als fünfzig Personen kamen zusammen, um eine Frage zu erörtern, die im Wallis bislang kaum thematisiert wurde: Wie lässt sich mit der Filmindustrie zusammenarbeiten?
Denn hinter einem Film steckt weit mehr als nur ein Drehbuch. Ein Dreh mobilisiert manchmal grosse Teams, die untergebracht, verpflegt, transportiert und ausgerüstet werden müssen. Hinzu kommen der Bedarf an Material, Kulissen, Requisiten oder technischer Ausrüstung, die oft vor Ort beschafft werden. All diese Bedürfnisse wirken sich direkt auf die lokale Wirtschaft aus.
Die Zahlen bestätigen diese Realität. Im Wallis generiert jeder in eine Produktion investierte Franken etwa fünf Franken an wirtschaftlichen Auswirkungen. Unterkunft, Verpflegung, Dienstleistungen, lokale Einkäufe… das Kino wirkt als Konjunkturmotor, oft in konzentrierten Zeiträumen.
„Ein Film ist nicht nur ein künstlerisches Werk, sondern auch ein wirtschaftliches Ökosystem, in das sich Unternehmen und Regionen einbringen können.“
— Laude Camille Chanton, Mitglied der Valais Film Commission und Moderatorin des Abends




Vom Drehbuch bis zur Praxis: Wo findet die Zusammenarbeit statt?
Um zu verstehen, wie man mit der Filmindustrie zusammenarbeitet, muss man zunächst verstehen, wie ein Film entsteht.
Vom Drehbuch bis zur Ausstrahlung eröffnet jede Phase andere Möglichkeiten. Manche Unternehmen steigen bereits in der Projektentwicklungsphase ein, etwa durch Sponsoring oder Produktplatzierung. Andere finden ihren Platz während der Dreharbeiten, wenn der Bedarf unmittelbar und operativ wird. Schliesslich entfalten manche Kooperationen erst nach dem Kinostart ihre volle Wirkung, was Image und Sichtbarkeit angeht.
Doch vor Ort sind die Chancen am greifbarsten. Bei Dreharbeiten sind manchmal Dutzende von Menschen über mehrere Wochen hinweg vor Ort. In Anzère waren je nach Zeitraum zwischen 30 und 100 Personen im Einsatz, um die Dreharbeiten zur Serie Espèces Menacées zu unterstützen. Für den Ferienort waren die Auswirkungen unmittelbar spürbar, insbesondere in einer Sommersaison, die normalerweise ruhiger verläuft.
Wie Jonathan Plattet, Leiter Kommunikation und Marketing in Anzère, erklärt, beschränken sich diese Auswirkungen nicht auf die unmittelbare Wirtschaft: Sie wirken sich auch langfristig aus, durch das Image, die generierten Inhalte und sogar die Rückkehr von Besuchern, die das Reiseziel während der Dreharbeiten entdeckt haben.




Partnerschaften aufbauen statt einmalige Gelegenheiten nutzen
Auch auf Unternehmensseite entwickeln sich die Ansätze weiter. Das Beispiel der Distillerie Morand, das deren Geschäftsführer Fabrice Heanni vorstellte, veranschaulicht diesen Wandel sehr gut.
Nach einer ersten wenig überzeugenden Erfahrung mit Produktplatzierung – kostspielig und auf der Leinwand kaum sichtbar – änderte das Unternehmen seine Strategie. Anstatt auf einen einzigen Auftritt in einem Film zu setzen, bevorzugt es nun einen schrittweisen Ansatz: die Zusammenarbeit ausweiten, verschiedene Formate testen und vor allem eine Geschichte rund um die Partnerschaften aufbauen.
Dies kann über Merchandising-Produkte geschehen, wie beispielsweise spezielle Etiketten im Zusammenhang mit einem Film – ähnlich der Zusammenarbeit rund um den Animationsfilm Sauvages von Claude Barras – oder durch Aktionen bei Vorpremieren. Das Ziel besteht nicht mehr nur darin, auf der Leinwand zu erscheinen, sondern Inhalte zu schaffen, das Image zu stärken und die Zusammenarbeit in einen ganzheitlichen Ansatz einzubetten.
Diese Herangehensweise ermöglicht es auch, besser mit Unsicherheiten umzugehen. Denn im Kino ist die endgültige Sichtbarkeit nie garantiert. Bestimmte Szenen können herausgeschnitten, verändert oder durch rechtliche Aspekte eingeschränkt werden – insbesondere in sensiblen Bereichen wie dem Alkohol.
Ein Filmteam empfangen: zwischen Chance und Koordination
Auch wenn die positiven Auswirkungen greifbar sind, erfordert die Aufnahme von Dreharbeiten eine gewisse Vorbereitung. An der HES-SO Valais erforderte der Dreh der Serie Intraçable eine sorgfältige Abstimmung zwischen den Produktionsanforderungen und dem Betriebsablauf der Einrichtung.
Wie Xavier Bianco, Leiter der Kommunikationsabteilung, betont, liegt die grösste Herausforderung im gegenseitigen Verständnis: Es gilt, ein Gleichgewicht zwischen den Anforderungen der Dreharbeiten – die oft hohe Ansprüche an Zeitplanung und Flexibilität stellen – und denen der gastgebenden Organisation zu finden.
Ist dieses Gleichgewicht einmal gefunden, gehen die Vorteile über den rein operativen Rahmen hinaus. Neben der Sichtbarkeit entsteht auch ein Gefühl des Stolzes: der Stolz, das eigene Umfeld in eine audiovisuelle Produktion integriert und einem breiteren Publikum zugänglich gemacht zu sehen. Intern schaffen diese Erfahrungen gemeinsame Momente, wecken Neugier und Begeisterung und bieten einzigartige Inhalte, die in der institutionellen Kommunikation genutzt werden können.
Die Rolle der lokalen Akteure bei Dreharbeiten
In diesem Ökosystem spielt die Valais Film Commission eine zentrale Vermittlerrolle. Sie fungiert als Schnittstelle zwischen den Produktionen und den lokalen Akteuren, indem sie Dienstleister ausfindig macht, Drehorte vorschlägt und die Dreharbeiten vor Ort begleitet. Für Unternehmen ist sie der bevorzugte Hauptzugang. Bei der Valais Film Commission gelistet zu sein, erhöht nicht nur die Sichtbarkeit bei den Produktionen, sondern ermöglicht auch ein besseres Verständnis der Funktionsweise der Branche und der mit einem Dreh verbundenen Anforderungen.
Denn auf Seiten der Produktion beginnen Kooperationen bereits in einem sehr frühen Stadium. Wie Jean-Marie Gindraux, Produktionsleiter, erklärt, werden die Drehorte und ein Teil der Anforderungen in der Regel anhand des Drehbuchs, des Budgets und der technischen Vorgaben festgelegt.
Dennoch bleiben lokale Kooperationen während des gesamten Prozesses unverzichtbar. Die Teams sind stets offen für relevante Lösungen, sei es bei der Suche nach Kulissen, dem Vorschlag spezifischer Drehorte oder der Erfüllung konkreter Anforderungen vor Ort. In diesem Zusammenhang können Unternehmen und Institutionen eine aktive Rolle spielen, indem sie sich als lokale Ressourcen positionieren, die die Dreharbeiten erleichtern können.
Die Fähigkeit, schnell Lösungen anzubieten, die Bedürfnisse zu verstehen und die Logistik zu erleichtern, kann bei der Auswahl der Dienstleister den entscheidenden Unterschied ausmachen.
„Jeder Dreh ist eine Chance für die lokale Wirtschaft, vorausgesetzt, die Unternehmen sind präsent und bereit, auf die Bedürfnisse der Filmproduktionen einzugehen.“
— Jean-Marie Gindraux, Produktionsleiter.
Einfache Schritte für den Einstieg in das Ökosystem
Um Teil dieses Ökosystems zu werden, ist nicht unbedingt Vorkenntnis im Filmgeschäft erforderlich. Schon mit ein paar einfachen Schritten können Sie sich positionieren:
- sich registrieren als Dienstleister oder Lieferant
- einen Ort als Kulisse vorschlagen
- die Anforderungen der Produktionen einsehen
- oder einfach Kontakt aufnehmen, um die Möglichkeiten zu erkunden
Wichtige Punkte für die Zusammenarbeit mit einer Produktionsfirma
Eine Zusammenarbeit mit der Filmindustrie aufzubauen, erfordert weniger Umstellung, als man denkt, doch bestimmte Vorgehensweisen erleichtern die ersten Kontakte deutlich:
- Sich bei den Produktionen bekannt machen
- Die Registrierung bei der Valais Film Commission ist oft der erste Schritt. So kann man schnell gefunden werden, wenn Bedarf entsteht.
- In konkreten Lösungen denken
- Filmteams legen vor allem Wert auf Effizienz: einen verfügbaren Drehort, einen zuverlässigen Service, eine schnelle Antwort. Die Fähigkeit, ihre Organisation zu vereinfachen, ist ein echter Vorteil.
- Flexibel und reaktionsschnell sein
- Anfragen können spät eingehen und sich schnell ändern. Eine gewisse Flexibilität bei den Terminen oder Bedingungen kann die Zusammenarbeit erleichtern.
- Das, was Sie bereits tun, zur Geltung bringen
- Es geht nicht darum, eine neue Tätigkeit zu schaffen, sondern vorhandenes Know-how an einen anderen Kontext anzupassen: empfangen, bereitstellen, begleiten.
- Über den Dreh hinausdenken
- Eine Zusammenarbeit kann auch Inhalte, Bilder oder Geschichten hervorbringen, die Sie in Ihrer Kommunikation wiederverwenden können.
- In kleinem Massstab testen
- Eine erste Zusammenarbeit, auch wenn sie nur einmalig ist, ermöglicht es, die Funktionsweise der Branche zu verstehen und neue Möglichkeiten zu erkennen.
Ein noch ungenutztes Potenzial für Zusammenarbeit
Das Filmwesen im Wallis entwickelt sich weiter. Es finden immer mehr Dreharbeiten statt, die Strukturen werden gestärkt und die Verbindungen zur lokalen Wirtschaft werden sichtbarer. Doch ein Teil des Potenzials für Kooperationen ist noch unerschlossen. Zahlreiche Unternehmen könnten darin eine neue Quelle für Geschäftstätigkeit, Sichtbarkeit oder Inspiration finden, ohne ihr Kerngeschäft grundlegend zu verändern. Für viele Akteure geht es vor allem darum, bestehende Aktivitäten auf neue Kontexte auszuweiten – zu liefern, zu empfangen, zu begleiten – anstatt sich neu erfinden zu müssen.
Die Zusammenarbeit mit dem Film bedeutet, sein Know-how in den Dienst eines einmaligen Projekts zu stellen, mit anderen Rhythmen und neuer Sichtbarkeit.
Wie wäre es, wenn der nächste Dreh bei Ihnen stattfinden würde?
Die Chancen sind da, konkret und greifbar. Jetzt gilt es, sich zu profilieren, Neues auszuprobieren und nach und nach seinen Platz in diesem Ökosystem zu finden.



