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KI im Arbeitsalltag von Architektur- und Ingenieurfachleuten

08 Oktober 2026

Einige Aufgaben, mit denen sich Architektur- und Ingenieurfachleute täglich beschäftigen, können bereits heute mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erleichtert werden. Beispiele aus einer von der SIA Wallis und PRISM organisierten Weiterbildung zeigen, wie KI verschiedene Tätigkeiten im Berufsalltag unterstützen kann – von der Büroarbeit bis hin zum Building Information Modeling (BIM).

Joël Rossier und Léonard Dayer, von PRISM stellten zunächst verschiedene bereichsübergreifende Anwendungen vor, die sich in den Arbeitsalltag vieler Fachleute integrieren lassen. Ein überfülltes E-Mail-Postfach, ein Termin, der vorbereitet werden muss, und eine Sitzung nach der anderen. Gerade bei solchen alltäglichen Aufgaben lassen sich erste Zeitersparnisse erzielen. Mit Microsoft 365 Copilot können E-Mail-Verläufe zusammengefasst, Nachrichten nach zuvor festgelegten Kriterien priorisiert oder Antwortentwürfe erstellt werden, die den bisherigen Schriftverkehr berücksichtigen. Vor einem Termin kann das Tool zudem die neuesten Dokumente heraussuchen, an bereits getroffene Entscheidungen erinnern und auf die entsprechenden Quelldateien verweisen.

Während einer Teams-Sitzung kann die Aufzeichnung genutzt werden, um eine Zusammenfassung zu erstellen, bereits getroffene Entscheidungen wiederzufinden oder die den einzelnen Personen zugewiesenen Aufgaben zu identifizieren. Für ein Baustellenprotokoll kann die KI auf die Transkription der Besprechung und die vor Ort aufgenommenen Fotos zurückgreifen, um einen ersten Entwurf zu erstellen. Dabei kann sie die im Büro verwendete Vorlage und Struktur übernehmen. Je präziser die Anweisungen formuliert sind, desto eher entspricht der Entwurf dem gewünschten Format.

Schneller in ausgewählten Quellen recherchieren

Auch bei der Recherche in Normen kann KI helfen, Zeit zu sparen. Tools wie NotebookLM von Google oder Copilot Notebooks von Microsoft ermöglichen es, gezielt mit Dokumenten zu arbeiten, die von den Nutzenden selbst ausgewählt wurden. Während der Weiterbildung wurde dies anhand einer Anforderung im Zusammenhang mit einem Parkplatz demonstriert. Der Vorteil besteht darin, die gesuchten Informationen rasch zu finden und direkt auf die entsprechenden Textstellen im Originaldokument zugreifen zu können, um sie zu überprüfen.

Diese Arbeitsweise verdeutlicht auch, wie wichtig ein kontrollierter Umgang mit Daten ist. Sensible berufliche Informationen müssen in geeigneten Umgebungen mit klar geregelten Zugriffsrechten verarbeitet werden. Bei Microsoft 365 beispielsweise berücksichtigt Copilot die bestehenden Berechtigungen und gewährt keinen Zugriff auf Inhalte, für die die jeweilige Person keine Zugriffsberechtigung besitzt.

KI direkt in den Tools von Graphisoft

Nathanaël Hervouet widmete einen Teil seines Vortrags den Anwendungen, die direkt mit der Architektur und dem Building Information Modeling (BIM) verbunden sind. Graphisoft integriert bereits verschiedene KI-Funktionen in seine Softwarelösungen und entwickelt weitere.

In Archicad ermöglicht der AI Assistant, Fragen zur Software oder zum digitalen Gebäudemodell zu stellen. Er kann beispielsweise erklären, wie eine IFC-Datei importiert wird, Wände anhand bestimmter Kriterien auswählen oder Objekte mit einer bestimmten Bezeichnung finden. Während der Demonstration wurde er unter anderem eingesetzt, um Aussenwände auszuwählen und die Anzahl der Badewannen im Modell zu ermitteln.

Die Übung zeigte allerdings auch die derzeitigen Grenzen des AI Assistant. Die Qualität der Ergebnisse hängt davon ab, wie die Informationen im Modell erfasst sind und wie die Anfrage formuliert wird. Hinzu kommen die noch eingeschränkten Fähigkeiten des Tools. Während der Demonstration zeigte sich beispielsweise, dass bereits eine kleine Abweichung bei der Objektbezeichnung, etwa die Verwendung der Pluralform «Baignoires» (Badewannen), die Suche beeinträchtigen kann. Da sich der Assistent noch in der Betaphase befindet, müssen seine Ergebnisse sorgfältig überprüft werden.

Weitere Anwendungen rund um BIM und Modellierung

Nathanaël Hervouet stellte ausserdem verschiedene Tools vor, die in unterschiedlichen Phasen der Planung und Modellierung eingesetzt werden können.

Einige davon erleichtern den Austausch zwischen Softwarelösungen und die Automatisierung von Arbeitsabläufen. Tapir verbindet beispielsweise Archicad mit Python, Grasshopper und KI-Tools. Raven wiederum ermöglicht es, anhand eines Prompts Grasshopper-Komponenten zu generieren, ohne selbst Code schreiben zu müssen. Solche Ansätze können unter anderem genutzt werden, um bestimmte Arbeitsschritte zu automatisieren.

Andere Tools nutzen bestehende Daten, um die Modellierung zu beschleunigen. SnapTwin verarbeitet 3D-Scans und Punktwolken, um IFC-kompatible Räume zu erstellen, beispielsweise bei der Digitalisierung eines bestehenden Gebäudes. Auch BIMmTool arbeitet mit Punktwolken, um Wände und deren Dicken zu erkennen und so die Rekonstruktion eines Grundrisses zu beschleunigen.

KI kann zudem die Erstellung von Elementen erleichtern, die in ein Gebäudemodell integriert werden sollen. Mit Vektors lässt sich aus einem Bild ein 3D-Objekt generieren, das mit Archicad kompatibel ist. Dies ist besonders dann hilfreich, wenn ein benötigtes Objekt noch nicht in der Bibliothek vorhanden ist.

Diese Beispiele sind interessant, weil sie zeigen, dass KI nicht unbedingt einen gesamten Arbeitsprozess ersetzen muss. Sie kann auch einfach einzelne zeitaufwendige oder repetitive Schritte einsparen und den Fachleuten die Aufgaben überlassen, die ihr Fachwissen oder präzisere Anpassungen erfordern.

Ein Tool wählen, das sich in den Arbeitsalltag integrieren lässt

Angesichts der Vielzahl verfügbarer Lösungen empfiehlt Nathanaël Hervouet, zunächst die bereits im Büro eingesetzten Tools genauer anzuschauen. Bevor eine neue Lösung eingeführt wird, sollten einige Punkte geprüft werden: insbesondere die Kompatibilität mit der bestehenden Fachsoftware und dem IFC-Format, die langfristige Stabilität sowie der tatsächliche Nutzen. Architektur- und Ingenieurprojekte erstrecken sich oft über mehrere Monate oder Jahre.

Die Integration von KI ist jedoch nicht nur eine technische Frage. Nathanaël Hervouet bringt dies mit dem Verhältnis von «20 % Technik und 80 % Mensch» auf den Punkt. Eine Lösung kann noch so leistungsfähig sein, sie wird sich im Arbeitsalltag nur schwer etablieren, wenn die Menschen, die damit arbeiten sollen, sie nicht annehmen. Die Akzeptanz im Team und die Begleitung des Veränderungsprozesses sind daher ebenso wichtig wie die technischen Möglichkeiten.

Bevor ein neues Tool eingeführt wird, sollte deshalb zuerst der tatsächliche Bedarf geklärt werden. Ebenso wichtig ist es zu prüfen, was die bereits eingesetzten Lösungen leisten, und zu überlegen, wie sich die Veränderung im Team sinnvoll verankern lässt.

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